Vom Alleinsein zum All-Eins-Sein

Welches Gefühl kommt bei Dir als Erstes auf, wenn Du Dich alleine fühlst? Bist Du eigentlich jemals aktiv in die Beobachtung gegangen, wann es genau soweit ist? Oder gehst Du sofort in die Kompensation, um Alleinsein ja nicht zu fühlen?


Was machst Du dann? Gehst Du an den Kühlschrank? Oder weißt Du nichts mit Dir anzufangen und surfst ziellos im Internet herum? Liest Du direkt Zeitung oder schaust Fernsehen, um Dich abzulenken, bzw. berieseln zu lassen? Oder arbeitest Du nach Feierabend wohlmöglich einfach weiter? Meldest Du Dich direkt bei Freunden, um diesem Gefühl zu entkommen? Oder ist Dir wohlmöglich einfach nur langweilig und Du fühlst Dich mit Dir selbst uninspiriert? Klagst Du dann evtl. Deinen Partner an, dass er mal wieder mit seinen Freunden unterwegs ist, und nicht auf Deine whats app reagiert? 


Natürlich sind wir Menschen soziale Wesen und Nähe tut gut. Doch oft ist es so, dass wir uns Anderen gar nicht wirklich nah fühlen können, wenn wir uns selbst nie wirklich nah kommen. Wenn wir uns immer von uns selbst und dem Uns-Spüren ablenken. Wenn wir das Gefühl des All-Eins-Sein verlernt haben und dieses in Kompensation des Alleinseins gemündet ist. Hast Du Dich schonmal gefragt, was der Grund dafür ist, dass sich etwas in Dir allein, abgeschnitten fühltt ? Dort hinzuschauen macht alles andere als Spaß. Doch es lohnt sich. Denn was da wartet ist das wieder Komplett-Werden.Das Ganz- Werden. Es sehnt sich schon so lange nach Dir - und Du nach ihm.


Um ein All-Eins -Sein Gefühl zu produzieren, musst Du nicht spirituell werden. Ich erwähne dies nur, falls Dich dieses Wort stören sollte. Du musst kein großer Yogi werden oder stundenlang am Tag meditieren. Spiritualität bedeutet lediglich, in die Ursprünglichkeit Deiner Essenz zurückzufinden. Beobachte einfach mal ein Kleinkind, das auf der Wiese sitzt und eine Pusteblume auseinander nimmt. Oder ein Hund, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Das ist für mich gelebte Spiritualität. Spiritualität kommt ja von "Spirit" - "Geist"... Also immer, wenn Deine intuitiv - fließende Gehirnhälfte arbeitet und die linear - rational denkende Gehirnhälfte Pause hat. Kurz gesagt, wenn Du einfach nur DU bist.


Früh kriegen wir schon erzählt, wir sind ein Hans -Guck - in - die - Luft -  oder dass "erst die Arbeit und dann das Vergnügen" kommt. Wenn wir zu lange tagträumten, wurden wir schnell gemaßregelt den "wichtigen" Pflichten des Lebens nachzugehen. Uns wurde schnell klar gemacht, dass Loslassen und Sich-Treiben-Lassen nicht wirklich erwünscht ist oder man dafür nicht positiv bestörkt wird. Und so begannen wir uns schuldig zu fühlen für das, was wir in unserer Essenz ausmachen. Hin und wieder hören wir von Genies wie Albert Einstein, dem die Relativitäts-Theorie im Tagtraum gekommen sein soll. Doch im alltäglichen Arbeitsleben ist aktives Träumen, was kreative Prozesse enorm fördern würde, kaum legitimiert oder integriert. Man setzt sich gemeinsam an den Konferenztisch und diskutiert auf rationaler Ebene über das neue "kreative" Konzept. Im Inbegriff seiner "geistigen" Kräfte.


Mit sich selbst und dem Kosmos eins zu sein würde bedeuten, Vergnügen und Entspannung - schlichtweg Freude ins alltägliche Arbeitsleben einzubeziehen. Hast Du Dich auch schon mal dabei erwischt, wie Du auf der Arbeitsstelle zu viel Spaß hattest? Und Dir dachtest: Hey jetzt zügel Dich mal, was soll bloß Dein Chef von Dir denken. Das Du nicht zum Arbeiten sondern zum Spaß hier wärest und vielleicht nicht der geeigneste Mitarbeiter bist. Das wertvolle Attributt der ausgelassenen Freude von den meisten Chefs immer noch als  Faulenzen oder Freizeitbeschäftigung gesehen. Denn man muss sich schließlich am Riemen reißen, damit in der Firma mit Produktivität geleistet wird. Etwas nicht?  Gelebte Spiritualität passt also nicht zum "Ernst des Lebens"...?


Ich kann nur von mir erzählen: Bei mir setzte eine starkes Alleinsein- und Traurigkeitsgefühl ein, als mein Vater mich fürsorglich darauf vorbereitete, dass nach dem Abi jetzt der Ernst des Lebens anfange. Ich müsse mir jetzt überlegen, was ich aus mit meinem Leben machen will. Aus meinem Leben machen will? Ich fand mein Leben eigentlich richtig schön bis jetzt! Diese Aussage glich eher einer Drohung. Ehrlich gesagt wollte ich weiterhin einfach nur Freude am Leben haben - , obwohl ich jetzt schon "groß" war. Die Schule fiel mir immer leicht und ich genoss die tagtägliche Freude mit meinen Klassenkameraden. Nach Schulschluss hingen wir in der Natur herum, spielten mit unseren geliebten Tieren und machten Sport und feierten einfach das Leben. Ja... und das soll dann auf einmal zu Ende sein, nur weil das Erwachsensein heranbrach? Ich schämte mich dafür, dass ich eigentlich nur glücklich und entspannt sein wollte, statt etwas "Vernünftiges" zu lernen. War ich vielleicht noch "unreif"?  Oder vielleicht hatte ich einfach nur Glück, dass ich bis zu meiner Volljährigkeit immer noch mit meiner Essenz verbunden war. Nach einem freiwilligen Sozialen Jahr in der Kita (Ich wollte doch selbst noch Kind bleiben)  und nach zwei Studienfachabbrüchen wusste ich nicht mehr weiter. Grundschulpädagogik und Ethnologie waren es. Zwei Fächer, bei denen ich mir erhoffte, zu meiner Ursprünglichkeit zurück zu gelangen. Doch im Studienalltag war davon nichts zu spüren. Shakespeare war das Erste, was ich lesen sollte im Fach Englisch für Grundschüler. Oh man. Und trockene, uninspirierende ethnologische Texte musste ich durchackern,  statt etwas über die intuitive Umgangsweise von Indigenen Völkern mit dem Leben zu erfahren.

Es hatte sich ein Schalter bei mir umgelegt, dass es wohl jetzt mit dem Spaß vorbei sein muss - den verschob ich die Freizeit. Und ich stellte fest, dass dieser sich nun auf rebellische Art und Weise ausdrückte. Anti-Gesellschafts-Gefühle kamen in mir hoch und Anzugträger lehnte ich ab. Ich kaufte mir ein goldenes Wohnmobil und reiste in jeder Minute meiner Freizeit mit 70er Jahre Musik durch Europa. Schon cool. Aber eigentlich nur, um den Spießern und Langweilern, die sich für den Vernunftsweg entschieden haben, zu entkommen. Oder denen, die denken, so müsse man leben, da man keine andere Wahl hätte.


Etwas in mir hat begonnen, sich allein zu fühlen. Also etwas in mir war plätzlich von mir selbst abgetrennt. Ich hatte mir auf einmal nicht mehr die Erlaubnis gegeben, in jeder Minute meines Lebens glücklich zu sein. Wie früher. Also musste es mit Hochdruck  in der Freizeit raus. Am liebsten hätte ich für immer und ewig ein Hippiedasein geführt, um mich von der Welt der normalen Freudlosen abzugrenzen. Mein Verhaltensbiologie-Studium zog ich dann zwangsweise gewissenhaft durch, weil mein Vater mir sonst verständlicherweise den Geldhahn zugedreht hätte. Nachdem ich mich schon zu aller Anfang dagegen gewehrt hatte "International Business Administration",  zu studieren, wollte ich den Bogen nicht überspannen. Verhaltensbiologie studierte ich eigentlich ebenfalls nur, weil ich mich für die Ursprünglichkeit des Glücks und des All-Eins-Seins interessierte, die Tiere und Pflanzen so natürlich lebten und ausstrahlten. Menschenaffen waren den Menschen am Nächsten, doch eben nicht so moralisch verkopft. Sie wurden meine größte Quelle der Inspiration, da sie mir zeigten wie man am Besten wieder zu sich selbst findet und in Einklang mit sich selbst bleibt. Und ich forschte jahrelang, was den Unterschied zwischen uns ausmachte. Auf jeden Fall erlaubten sie sich alles, wofür man sich als Erwachsener nun zusammenreißen musste. Und deswegen liebte ich sie so. Warum in aller Welt sollte ich mich jetzt zusammenreißen und Dinge tun müssen, die mir keine Freude machen? Nach einiger Zeit begriff ich, dass es einen Weg geben musste, ohne dass ich der Gesellschaft die Schuld geben würde. Ich musste mir wieder erlauben ich selbst zu sein, ohne die "Erwachsenen-Maske" aufzusetzen.  Dass Erwachsensein befreiend, freudig, lustig und inspirierend sein kann, sollte ab jetzt zu meiner einzige Realiät werden, die ich in meinem Leben zuließ.


Vom Alleinsein ins All-Eins-Sein zu kommen ist es, die Schattenanteile Deiner Angst, Traurigkeit, Wut oder Enttäuschung anzuschauen, statt abwertend und verurteilend mit dem Finger auf Andere zu schauen oder zu verallgemeinern.

Ins All-Eins-Sein zu kommen bedeutet aus der Opferhaltung herauszukommen, die immer den Anderen die Schuld an Deiner eigenen Unzufriedenheit gibt.

All-Eins-Sein bedeutet, aktiv Dein inneres Kind zu befragen, was es genau heute im Hier und Jetzt glücklich machen würde, wenn Du Dich leer und uninspiriert fühlst.

All-Eins-Sein bedeutet aktiv in die Selbstwirksamkeit zu gehen statt aufgrund von äußerer Umstände zu resignieren. All-Eins-Sein bedeutet das universelle Gesetz "Wie innen - so außen" zu verstehen und aktiv zu leben.

Allein-Eins-Sein bedeutet nicht die Erwartung an Deine Umwelt zu setzten, dass sie Deine innere Leere fülllt. Es bedeutet  eigenmächtig und eigenverantwortlich Visionen zu entwickeln, was Dich aus tiefsten Herzen glücklich machen würde.


Bist Du manchmal ein Vampir? Einer, der die Energie von Anderen absaugt ? Schau Dir selbst ehrlich ins Gesicht. Es ist immer der leichtere Weg, Energie von Anderen abzusaugen. Und wir tun es alle hin- und wieder, wenn wir nicht genug für uns sorgen. Doch wenn Du genau hinspürst, führt er zu Nichts. Nur zu Leere in Dir selbst und Deines Gegenübers, den Du ansaugst.


Der Anfang von All-Eins-Sein bedeutet also: Selbstbeobachtung und Selbstreflektion. Schau Dir selbst in die Augen, wie Du agierst. Gnadenlos ehrlich. Dann erst hast Du die Möglichkeit, in Deine Kraft zu kommen. In kreative Schaffensprozesse zu gelangen. Dein inneres Kind wird Dir genaue Anweisungen geben, was es braucht, um voll in sich erfüllt zu sein. Du hast es nur verlernt ihm zuzuhören und kannst dies nun aktiv in Deinen Alltag integrieren, wenn Du das trainierst. Dein inneres Kind zeigt Dir wieder, wie All-Eins-Sein funktioniert, denn es ist seine Dir innewohnende Essenz.


Für mich bedeutete, zurück ins All-Eins-Sein zu finden, dass ich mir immer mehr erlaubte, ich selbst zu sein. Ungeschminkt, unbrav, unangepasst, unkontrolliert. ohne Masken, ohne zurechtgelegte Worte, ohne Rhetorik, ohne Dress-Code, ohne strategischer Unterdrückung von Gefühlen. Und das auch als „Erwachsene“  und nicht nur in meiner Freizeit, sondern  auch in meiner Arbeit. Gott sei Dank habe ich nun eine Arbeit, wo ich mir erlauben kann, ich selbst zu sein. Ich habe meine Nische gefunden. Denn mein System ist empfindlich und mich zusammenreißen zu müssen, mich selbst unterdrücken zu müssen, machte mich schnell krank. Menschen dorthin zu begleiten, sich dem Ausdruck ihrer Echtheit zuzugestehen, sich innerlich zu befreien, und sich selbst immer treuer zu werden, macht mich einfach nur glücklich! Denn es hat mich selbst zu einem glücklicheren Menschen gemacht, diesen Weg zu gehen.


Ich behaupte fast, dass dies ein Grundbedürfnis einer jeden Seele ist. Die Angst nicht dazuzugehören steht dem entgegen. Seien wir mal ehrlich. Wenn Du die Wahl hättest, oder Denkräume in Dir eröffnen würdest, DASS Du die Wahl hast. Würdest Du Dich dann gerne ständig anpassen, zusammennehmen und Maske bewahren? Weil man das halt in der Gesellschaft so machen muss? Weil es alle so machen? Hast Du Dich schon damit abgefunden? Ich wollte mich mit 5 Jahren schon nicht benehmen und Verhaltenskodexen folgen. Da ich noch ein Kind war, gestand man mir das noch halbwegs zu, ich würde schon irgendwann zurechtgeformt werden können, man gab mir netterweise Zeit. Nun bin ich Erwachsen und ich spüre, dass mich die Menschen tatsächlich immer noch mögen, obwohl ich nun gewählt habe, dies bewusst nicht mehr zu tun. Und jetzt mag ich sogar die Anzugträger wieder. Und es ist wirklich nichts Schlimmes passiert, außer dass ich den Pfad meines Glückes gewählt habe, und damit natürlich automatisch Andere glücklicher machen kann. Es ist manchmal einfacher als man denkt. Ich musste erstmal begreifen, dass es legitim ist, kindlich zu sein. Klindlich sage ich deswegen, weil Kinder noch pur und unbeeinflusst durch die Welt gehen. Sich noch nicht von Sätzen wie „Ich sollte oder ich müsste“ abschrecken lassen. Nur irgendwann haben wir traurig aufgegeben. Der eine früher, der andere später.


Das Problem ist im Hier und Jetzt nicht mehr die Gesellschaft, die uns damals unser Licht ausgebremst hat. Das Problem ist nun, sich nicht mehr das Recht zuzugestehen, mit unserer Urspürngllichkeit in Kontakt zu sein. Dies erfordert ein aktive Absicht in uns dort wieder hinzugelangen. Jeden Tag.

Die Menschen die ich am meisten bewundere sind die, die sich ihr Kind-Sein bewahrt haben, egal in welchem Alter. Es gibt diese da draußen. Suche sie Dir und verabschiede Dich respektvoll von denen, die Dich in Deinem Prozess der Wiederanbindung an die natürliche Freude, an Deine Essenz - an Deinem All-Eins-Sein hindern.

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